Unsere Idee

Klima und Umwelt: Wir müssen reden

von Gunda Röstel, Michael Vassiliadis und Christian Kullmann

Spürbar, messbar, unübersehbar: Der Klimawandel ist Realität und die globale Herausforderung unseres Zeitalters. Die Folgen der menschengemachten Erderwärmung sind gravierend. Deshalb hat die Weltgemeinschaft 2015 in Paris einen Klimarahmenvertrag geschlossen. Ziel des Übereinkommens ist es, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf der Erde im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2° Celsius zu stabilisieren. Die Europäische Union und Deutschland haben zur Umsetzung des Vertrages für die verschiedenen Sektoren konkrete Ziele aufgestellt. Bis zum Jahr 2050 soll Klimaneutralität erreicht sein, 2030 muss dazu der Zwischenschritt mit einer Reduktion der CO2-Emissionen von etwa 55 Prozent im Vergleich zu 1990 gelingen.
Der Druck zu handeln ist gewachsen. Die Jugend der Welt fordert – mit Recht und Leidenschaft – auf den Straßen in Berlin, München, Leipzig, den Plätzen in Stockholm, New York und Seoul eine lebenswerte und sichere Zukunft ein. Weltweit hat mit unterschiedlicher Intensität ein Transformationsprozess begonnen. Doch so sehr die Klimaziele der Vereinten Nationen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft einen, so ambitioniert und teilweise strittig sind die Wege zum notwendigen gemeinsamen Ziel.
Den Klimawandel zu meistern, ist vielleicht die größte, sicher die prominenteste, aber gerade nicht nur eine ökologische Aufgabe. Nachhaltigkeit ist das zentrale Stichwort zur Beschreibung unserer Zukunftsaufgabe. Nachhaltiges Handeln ist das Gebot der Stunde. 

Den Transformationsprozess im Dialog mitgestalten

Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Lebensweise hat begonnen. Sie wird die Arbeits-, Produktions- und Lieferprozesse in allen Industrien betreffen - gerade auch die in der chemischen Industrie. Beginnend bei der Dekarbonisierung der Produktion selbst, geht es darüber hinaus um die Umweltverträglichkeit unserer Grundstoffe und Produkte. Alles in allem eine wirklich große transformatorische Herausforderung, der wir uns nicht verweigern. Den Transformationsprozess aktiv mitgestalten, heißt dabei aber auch, sich auf politische Zielsetzungen und Rahmen in dieser Übergangszeit verlassen zu können.
Für die Gestaltung der Zukunft gibt es kein Patentrezept. Was wir einbringen können, sind unser Know-how und die Erfahrungen der Beschäftigten - allein in der chemischen Industrie sind das mehr als 500.000 in Deutschland, mehrere Millionen weltweit. Mit diesem breiten Wissen wollen wir uns in den gesellschaftlichen Diskurs darüber einbringen. Wir wollen helfen, die Wege in eine nachhaltige Zukunft zu kartieren, und nachhaltig zukunftsfeste Arbeitsplätze in der Transformation sichern und schaffen. Ziel dieses Blogs ist: Eine möglichst breite Diskussion über eine nachhaltige Gesellschaft im Allgemeinen und eine nachhaltige chemische Industrie im Besonderen. Offen. Überparteilich. Ohne Denkverbote.

Die globalen Nachhaltigkeitsziele

Die von der UN verabschiedete „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ setzt uns 17 Ziele (engl: "Sustainable Development Goals", SDGs). Wir wollen uns in dieser Diskussion von ihnen leiten lassen. Nachhaltigkeit ist nicht eindimensional, ist nicht "nur" Klimaschutz. Nur mit einer umfassenden Betrachtung von Nachhaltigkeit sichern wir ein lebenswertes Dasein in unserem Land und auf unserem Planeten. 

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Debattieren entlang der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und hatte im Kern die Bedeutung, dass in einem bestimmten Zeitraum nicht mehr Holz dem Wald entnommen wird als nachwächst. In der aktuellen Diskussion werden auch soziale, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Aspekte unter dem Begriff subsummiert.
Und genau in dieser Breite wollen wir das Thema auch diskutieren. Die von den Vereinten Nationen verabschiedete „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ dient uns dabei als Leitfaden. Sie beinhaltet 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ kurz SDGs (englisch: Sustainable Development Goals). Von renommierten Gastautorinnen und -autoren erhoffen wir uns Anregungen für eine lebhafte Diskussion hier im Blog. Jeweils drei Persönlichkeiten werden sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit jedem SDG auseinandersetzen. Dabei geht es immer um den Blick auf den möglichen Beitrag, den die chemischen Industrie zum Erreichen des jeweiligen Zieles leisten kann, muss und soll, aber auch um die Frage wo sie – noch? – diesen Zielen entgegensteht.
Wundern Sie sich nicht, wenn die Beiträge und auch die Kommentare nicht Ihrer Meinung entsprechen. Diesen Widerspruch zu erzeugen und auf ihn mit Argumenten aus der eigenen Lebensrealität und Kenntnis zu reagieren, ist der Prozess, den wir anregen wollen.
Gute, konstruktive Debatten brauchen Diversität. Und genau die wollen wir mit unserer gemeinsamen Herausgeberschaft für diesen Blog fördern. Denn die chemische Industrie ist doch nur einer von vielen Akteuren. Die Sicht des VCI auf die Aspekte der Transformation unterscheidet sich wahrscheinlich von derjenigen anderer Wirtschaftsverbände und in der Art und Weise möglicher Lösungen vermutlich auch von jener der Umweltverbände.
Vielfältig sind auch die Stimmen aus der Wissenschaft und der Politik. Weil wir am Ende nur gemeinsam etwas verändern können, müssen wir damit beginnen, die Sicht der Anderen zunächst einmal wahrzunehmen. Wahrnehmen heißt nicht, Ansichten zu teilen. Wahrnehmen heißt anzuerkennen, dass diese Sicht die gesellschaftliche Realität ist, mit der wir uns auseinander zu setzen haben, wenn wir etwas bewegen wollen. Der Pluralismus der Meinungen gehört zum Fundament einer Demokratie.
Es wäre ein Erfolg dieses Blogs, wenn wir diesen Pluralismus an diesem Ort zu diesem Thema abbilden könnten.

Neueste Beiträge

Was Christian Kullmann, Gunda Röstel und Michael Vassiliadis von den Koalitionsverhandlungen erwarten.

Die zentrale Aufgabe der Politik ist die Mitgestaltung der Zukunft in herausgehobener, ja in Beispiel gebender Funktion. Es ist notwendig, diese Binsenwahrheit aufzuschreiben, denn sie drohte in Vergessenheit zu geraten. Gleich welcher Partei wir uns verbunden fühlen: Einen großen Wurf hat keine politische Kraft in den letzten Jahren geliefert. Nicht konzeptionell und schon gar nicht in der politischen Praxis.

Über diesen Blog

Dieser Blog gibt nicht die Sichtweise der Chemie-Industrie wieder: Darum geht es hier gar nicht. Wir wollen auf diesen Seiten voneinander lernen und einander zuhören, offen und mit großem Respekt vor Perspektiven der Anderen. Nur so können wir Wege finden, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

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