Artenvielfalt stärken

Äpfel, Birnen, Kirschen, Erdbeeren, Brombeeren: Die große Auswahl heimischer Obstsorten auf unseren Wochenmärkten ist eine wahre Freude für das Auge und den Gaumen. Ohne Insekten, die die Blüten dieser Pflanzen bestäuben – vor allem Bienen und Hummeln ­– gäbe es keine dieser Früchte auf unserem Tisch.

Das gilt auch für Gemüse wie Tomaten, Paprika oder Zucchini. Nur schwer vorstellbar ist hingegen, dass Arbeiterinnen und Arbeiter die Blüten der Obstbäume auf den Plantagen von Hand bestäuben, weil Insekten als Pollenüberträger ausfallen. Eine anstrengende und zeitraubende Tätigkeit mit enormem Aufwand.

Schon gewusst?

der 115 wichtigsten Nutzpflanzen sind von der Bestäubung durch Tiere abhängig. Das sind ein Drittel aller weltweiten Ernten.

Die natürliche Vielfalt von Pflanzen, Tieren und ihren Lebensräumen – auch als Biodiversität bezeichnet – hat aber eine noch viel größere Bedeutung: Sie ist eine Grundlage für die Existenz der Menschheit auf diesem Planeten.

Biodiversität liefert uns nicht nur Nahrung. Biodiversität sichert uns auch sauberes Wasser, bringt medizinische Rohstoffe hervor oder schützt das Klima, wie zum Beispiel der Regenwald des Amazonas. Er absorbiert gigantische Mengen CO2 aus der Luft durch die Photosynthese. Intakte Lebensräume für Pflanzen und Tiere sind unverzichtbar, damit Biodiversität ihre Ökosystemleistung für uns erbringen kann.

Gegenstand aktueller Forschung ist unter anderem, ob und wie der Biodiversitätsverlust die Entstehung und Ausbreitung von Pandemien begünstigen kann.

  • Ausrufezeichen

    Biodiversität umfasst die biologische Vielfalt von lebenden Organismen (Pflanzen, Tiere, Pilze, Mikroorganismen) jeglicher Herkunft und ihre Lebensräume.
    Vielfalt ergibt sich innerhalb von Arten (genetische Vielfalt) und zwischen den Arten (Artenvielfalt).

     

Biodiversität braucht Raum. Doch es wird eng für sie.

So stark die Einsicht in die Bedeutung der Biodiversität gewachsen ist, so schwierig gestaltet sich der Kampf für ihren Erhalt. Der Bericht der UN-Organisation IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) kam 2019 zu dem Ergebnis:

  • Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht, viele davon bereits in den nächsten Jahrzehnten
     
  • 75 Prozent der Landoberfläche sind durch den Menschen verändert. 32 Prozent der Waldflächen und 85 Prozent der Feuchtgebiete verschwanden weltweit in den letzten 200 bis 300 Jahren.

Durch Entwaldung, Trockenlegung von Feuchtgebieten und der Zerschneidung von Naturräumen sowie der Versiegelung von Böden für Siedlungs- und Verkehrsflächen schränkt der Mensch direkt die Biodiversität ein – auch in Deutschland: 73 Fußballfelder pro Tag beträgt der Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke. (Zeitraum: 2016–19, Quelle: Umweltbundesamt).

Welche Rolle spielen Landwirtschaft und Chemie?

Aber auch die Landwirtschaft hat Einfluss auf die biologische Vielfalt. Wo Obst, Gemüse und Getreide angebaut werden, schwinden natürliche Lebensräume. Das hat auch Auswirkungen auf die Biodiversität.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Landwirtschaft deshalb schnell als ein Treiber für das Artensterben ausgemacht. Und so kommt auch die chemische Industrie mit ins Spiel, denn sie arbeitet eng mit den Landwirtinnen und Landwirten zusammen, die effektive Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie innovatives Saatgut für die Bewirtschaftung der Agrarflächen benötigen. Da sie aber auch auf die Biodiversität angewiesen sind, versuchen sie, den Einfluss auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten.

  • Ausrufezeichen

    Die Produktivität in der Landwirtschaft ist in den letzten Jahren gestiegen, der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel jedoch nicht – ein Beleg für einen balancierten Maßnahmen-Mix im Pflanzenbau.

So fördert die Chemie die Artenvielfalt

Wie Artenvielfalt und Agrarwirtschaft zusammenfinden, erforscht die Chemie in Theorie und Praxis. Dazu hat sie mehrere Forschungs- und Modellprojekte ins Leben gerufen und entwickelt Konzepte zur landwirtschaftlichen Bodennutzung mit.

Mit fortlaufend optimierten Produkten nährt und schützt sie Nutzpflanzen so nachhaltig wie möglich. Darüber hinaus liefert die Branche wichtige Beiträge für mehr Nachhaltigkeit und Biodiversität durch ihr Engagement in der Pflanzenzucht.

  • Ausrufezeichen

    Die chemisch-pharmazeutische Industrie bekennt sich zum internationalen Übereinkommen für Biodiversität (CBD) und zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen.
    In den Leitlinien der Nachhaltigkeitsinitiative der Branche (Chemie3) ist der Schutz der Biodiversität konkret verankert. Wir unterstützen die Landwirtschaft dabei, Biodiversität zu stärken

Pflanzenzucht schafft Vielfalt

Wenn das Säen auf dem Feld beginnt, hat die Pflanzenzucht als Teil der Agrarwirtschaft ihren Beitrag zur biologischen Vielfalt längst geleistet. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Pflanze mittels konventioneller oder biotechnologischer Zuchtverfahren erzeugt wurde.

Jede neu zugelassene Pflanzensorte hat Eigenschaften, die sich von bereits zugelassenen Sorten unterscheiden. Dabei kann es sich um Varianten mit optimierten Nährstoffgehalten oder besseren Anbaueigenschaften oder um Anpassungen für besondere lokale Anforderungen handeln. Einige Eigenschaften, zum Beispiel eine erhöhte Resistenz gegen Krankheiten oder Umwelt- und Klimaeinflüsse, können die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft erhöhen, weil diese Pflanzen weniger landwirtschaftliche Produktionsmittel und weniger Fläche benötigen. 

Die Pflanzenzucht ist von großer Bedeutung für die Artenvielfalt und trägt zu den UN-Biodiversitätszielen bei. Gerade moderne Zuchtverfahren wie CRISPR/Cas bieten ein enormes Potenzial für eine nachhaltigere Landwirtschaft.

 

Ärmel hoch! Agrar-Modellprojekte der Chemie

Die nachstehenden Projektbeispiele illustrieren, wie die Chemie – gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten – die Artenvielfalt konkret stärkt und dabei wertvolle Erkenntnisse für die gesamte Branche gewinnt. Weitere Nachhaltigkeitsprojekte der Pflanzenschutzindustrie befassen sich ebenfalls mit der Biodiversität, aber auch mit dem Gewässerschutz und der Lebensmittelsicherheit.

BASF FarmNetzwerk Nachhaltigkeit

Das Projekt BASF FarmNetzwerk Nachhaltigkeit will die Biodiversität in intensiv genutzten Agrarlandschaften steigern. Unter Leitung von zehn externen Experten werden in 55 Betrieben mit 85.000 Hektar Nutzfläche einfache und wirksame Maßnahmen für mehr Artenvielfalt auf den Prüfstand gestellt und eine Wissensplattform ins Leben gerufen. Die Bilanz (Auswahl): Gezählt wurden 130 Käferarten und die stellenweise Rückkehr des Kiebitz beobachtet. Einige Betriebe begrüßten bis zu 62 Prozent mehr Feldlerchen oder sechsmal mehr Wildbienenarten auf ihren Feldern und Blühstreifen als zum Projektstart 2013.

Bayer ForwardFarming

Der Damianshof in Rommerskirchen und die Agro-Farm in Nauen sind Bayer ForwardFarms. Dort werden innovative ökologische Aufwertungsmaßnahmen in den Betriebsablauf eingebunden, um zu analysieren, wie sich dadurch die Artenvielfalt, die Bienengesundheit und der Gewässerschutz erhöhen lässt. Ein- und mehrjährige Blühstreifen sowie Getreideaussaat in weiter Reihe mit blühender Untersaat sichern die biologische Vielfalt. Hinzu kommen Nistmöglichkeiten für Bestäuber und Vögel, Feldlerchenfenster und Beetle Banks.

Eh da-Flächen

Für mehr Biodiversität können bundesweit etwa zwei bis fünf Prozent aller Flächen, die landwirtschaftlich uninteressant, dafür aber „eh da“ sind, aufgewertet werden: Straßensäume, Bahndämme, Verkehrsinseln, Dämme und Deiche sowie sonstige ungenutzte „Offenlandflächen“ können Vögeln, Kleintieren und Insekten als Lebensraum dienen. Das vom Forum "Moderne Landwirtschaft" für einige Jahre getragene und vom RLP Agroscience-Institut betreute Projekt Eh da-Flächen trieb die ökologische Aufwertung dieser alltäglichen Flächenstreifen zusammen mit Gemeinden und Flächeneignern voran.

 

Die Förderung der Biodiversität ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Fazit: Der Rückgang der Artenvielfalt ist vielen Faktoren geschuldet. Die Förderung der Biodiversität und eine moderne, produktive Landwirtschaft zur Ernährungssicherung sind kein Widerspruch. Diese Ziele können vielmehr durch ganzheitliche Ansätze in Einklang gebracht werden, die Landwirtschaft, Industrie, öffentliche Hand und Gesellschaft einbeziehen. Die Chemie arbeitet daran intensiv mit. Auch jeder Einzelne kann zuhause im Garten oder auf dem Balkon mit entsprechender Bepflanzung dazu beitragen, Nahrungsquellen für Insekten wie Bienen und Hummeln zu schaffen. Jeder Schritt für mehr Biodiversität zählt, ist er auch noch so klein.

 

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Punktgenauer Pflanzenschutz

Die Digitalisierung ermöglicht es Landwirtinnen und Landwirten, Pflanzenschutzmittel mittels GPS-Daten, Drohnen und neuester Applikationstechnik noch genauer auszubringen. So gelangen die Mittel nur dorthin, wo sie auch wirken sollen.

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Zielgerichtet züchten

Seit Pflanzen angebaut werden, versucht der Mensch, ihre besten Eigenschaften durch Zucht zu fördern. Heute stehen dafür besonders vielversprechende Methoden zur Verfügung.

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