Plastikmüll in der Umwelt

Kunststoffabfälle gehören nicht in die Umwelt. Dort vermüllen sie unseren Planeten und gehen als Rohstoff verloren. Gegenmittel sind der Auf- und Ausbau von wirksamen Abfallmanagement- und Verwertungsstrukturen, Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und ein weltweites Engagement im Kampf gegen Plastikmüll in der Umwelt. 

Es ist paradox. Landen Kunststoffe als Plastikmüll in der Umwelt, wird ihnen ausgerechnet einer ihrer Pluspunkte zum Verhängnis: ihre Langlebigkeit, die sie zu einem Problem von Dauer macht. Außerdem ist es viel zu schade, Kunststoffe als Rohstoff ungenutzt in der Umwelt enden zu lassen – sie sollten stattdessen verwertet werden. Der Eintrag von Kunststoffabfällen in die Umwelt muss deshalb unbedingt verhindert werden!

Die Lücken im Kreislauf schließen

Wie kommt es aber dazu, dass wertvolle Kunststoffe als Abfall in der Natur enden? Durch Lücken im Kunststoff-Kreislauf. Diese tun sich oft unmittelbar nach der Nutzungsphase der Kunststoffe auf, wenn etwa Verbraucher Abfälle nicht korrekt entsorgen oder entsorgen können. Oft fehlt dafür die entsprechende Aufklärungsarbeit oder die Infrastruktur vor Ort.

Auch ein nicht funktionierendes Abfallmanagement, also das professionelle Sammeln und Sortieren mit dem Ziel der Verwertung, kann dazu führen, dass Kunststoffe zum Umweltproblem werden. In diesen Fällen gelangt das Material nicht in einen Verwertungskreislauf und verbleibt unkontrolliert in der Biosphäre. Bewegt von Wasser und Wind, werden unsere Weltmeere zur Endstation dieses „Marine Litter“ (dt. umschreibend: „Meeresmüll“).

Dieses globale Problem hat regional unterschiedliche Gründe. Zum einen halten die Entsorgungssysteme in den wohlhabenden Regionen teils nicht Schritt mit dem wachsenden Konsum. In anderen Teilen der Erde fehlen sie gänzlich oder sind nur rudimentär vorhanden.

Deshalb gilt auch weltweit: Die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen muss substanziell gestärkt und ausgebaut werden. Es gilt also, bestehende Infrastrukturen weiterzuentwickeln und funktionsfähige Infrastrukturen dort aufzubauen, wo es notwendig ist. Denn nur korrekt entsorgte Kunststoffabfälle landen nicht in der Umwelt und können verwertet werden. 

Nichts liegen lassen!

Jedes Verwertungssystem kann nur die Mengen verarbeiten, die man ihm zuführt. Deshalb ist es entscheidend, Schlupflöcher auf dem Weg in die Verwertung zu schließen. Eines davon ist die in vielen Ländern der Welt immer noch vorhandene Praxis, Kunststoffabfälle nach ihrer Sammlung zu deponieren. Diese Praxis sollte so schnell wie möglich ein Ende finden. Denn deponierte Abfälle belasten das Klima und vergeuden Ressourcen! 

Deutschland geht mit gutem Beispiel voran: Für Kunststoffe gilt seit 2005 ein striktes Deponierungsverbot. Ähnliche Regelungen gibt es auch in der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Schweden. Es bewirkt, dass in Deutschland 99 Prozent aller Kunststoffabfälle einer Verwertung zugeführt werden.

Die Situation in Europa und weltweit

Im europäischen Durchschnitt werden insgesamt jedoch knapp ein Viertel aller Kunststoffabfälle auf Deponien abgelagert. Eine sofortige Ausdehnung des Deponieverbots auf die gesamte EU ist deshalb eine zentrale Forderung für ein besseres Abfallmanagement und einen besseren Kreislauf von Kunststoffen. Die deutsche Chemiebranche unterstützt diese Forderung.

Weltweit ist das Deponieren von Müll leider immer noch der Regelfall. Milliarden von Menschen fehlt der Zugang zu einer kontrollierten Müllentsorgung. 

Kunststoffabfälle sind in ihrer Funktion als Rohstoffe auch ein globales Handelsgut, für das in einigen Erdteilen eine Nachfrage besteht. Müllexporte müssen auf dem internationalen Abfallmarkt aber besser kontrolliert und damit die illegale Entsorgung unterbunden werden. Deshalb setzt sich die deutsche Chemieindustrie für die strikte Umsetzung des Baseler Abkommens ein. Diese von 188 Staaten unterzeichnete Übereinkunft reguliert die globalen Abfallexporte und umfasst auch nicht-recyclingfähige Kunststoffabfälle. Sie soll sicherstellen, dass illegale Transporte unterbunden und nur einwandfrei aufbereitete Abfälle zum Zweck der Verwertung ins Ausland exportiert werden. Diese Exporte müssen allerdings strenger kontrolliert werden, damit sie in den Zielländern nicht in die Umwelt gelangen.

Groß denken und global handeln

Die weltweiten Müllströme in Zukunft unter Kontrolle zu bringen, ist eine Mammutaufgabe globalen Ausmaßes, die nur gemeinsam auf internationaler Ebene gelingen kann. 

Als wichtigen ersten Schritt haben relevante Akteure aus der Kunststoffwertschöpfungskette 2019 den internationalen Schulterschluss geübt und die „Alliance To End Plastic Waste“ (AEPW) gegründet. Dieser Zusammenschluss von mehr als 50 Mitgliedsunternehmen, Unterstützern und Verbündeten umfasst Chemieunternehmen (darunter vier deutsche Firmen), Kunststoffhersteller, Konsumgüterproduzenten, den Handel und Vertreter der Abfallwirtschaft.

Diese Branchenvorreiter sind mit dem gemeinsamen Ziel angetreten, Plastikmüll in der Umwelt ein Ende zu bereiten. Für diesen Zweck haben sie 1,5 Milliarden US-Dollar in den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit bereitgestellt. Die Allianz arbeitet auch mit Partnern wie dem Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung (WBCSD), dem Wohn- und Siedlungsprogramm der Vereinten Nationen (UN-Habitat) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zusammen.

Ein Hauptaugenmerk der Allianz liegt auf Asien und Afrika, die wegen des Fehlens einer gut funktionierenden Abfallwirtschaft und entsprechender Recycling-Kapazitäten für den Großteil des Eintrags von Plastikmüll in die Weltmeere verantwortlich sind. Um das Ziel zu erreichen, Plastikmüll in der Umwelt in diesen Schlüsselregionen zu beenden, konzentriert sich die Allianz auf Projekte in vier Kernbereichen: Infrastruktur, Innovationen, Aufklärung sowie Engagement und Säuberungsmaßnahmen. Einige Beispiele:

 

• Aufbau und Optimierung von Infrastrukturen für das Sammeln und Behandeln von Abfällen 
In Jembrana (Bali) hat sich die Allianz mit dem Projekt STOP (Stop Ocean Plastics) zusammengetan, um ein festes Abfallmanagementsystem einzurichten, das von 150.000 Einwohnern genutzt werden soll. Die Materialrückgewinnungsanlage befindet sich derzeit im Bau. Es sollen jährlich 18.000 Tonnen Abfall gesammelt und verarbeitet werden. 
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• Die Unterstützung innovativer Ideen, die zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft führen können 
In der ersten Runde der „End Plastic Waste Innovation Platform“ im Jahr 2020 haben die Allianz und ihre Mitgliedsunternehmen gemeinsam mit dem „Plug and Play Tech Centre“ 32 Startups aus der ganzen Welt beraten und in ihrer Weiterentwicklung unterstützt. 
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• Das Aufsammeln von Abfällen im Rahmen von lokalen Aktionsprogrammen
Die Allianz hat eine weltweite Initiative zur Beseitigung von Abfall aus der Umwelt gestartet. Beginnend mit dem World Cleanup Day am 19. September 2020 kamen weltweit Tausende von Freiwilligen aus den Mitgliedern der Allianz, anderen Organisationen und Einzelpersonen zusammen, um während der einmonatigen Kampagne über 740.000 Abfallstücke aufzusammeln. 
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So landet weniger Plastikmüll in der Umwelt

  • Zahl eins

    Die Entsorgungssysteme müssen weltweit aus- und aufgebaut werden – das ist die Grundvoraussetzung zur Vermeidung von Plastikabfällen in der Umwelt.

  • Zahl zwei

    Die Verbraucher können einen Beitrag leisten, indem sie Plastikabfälle nicht in der Umwelt entsorgen – dafür bedarf es der intensiven Aufklärung.

  • Zahl drei

    Die Exporte von Plastikmüll ins Ausland müssen konsequenter kontrolliert werden, damit sie im Ausland auch verwertet oder recycelt werden und nicht in der Umwelt landen.

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