Ohne bezahlbare
Energie droht Deutschlands
Wirtschaft der Infarkt

Das Herz unserer Industrie ist die Chemie. Damit es weiterschlagen kann, brauchen wir Energie.
Die sparen wir, wo es geht. Doch müssen Strom und Gas bezahlbar sein, sonst geraten wir außer Takt.
Mit Folgen für den gesamten Wirtschaftsstandort und uns alle.

Hier blutet das Herz

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine verursacht unermessliches menschliches Leid. In einer solchen Ausnahmesituation ist es besonders wichtig, dass nun alle eng zusammenstehen: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. 

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Was der Industrie die Arterien verstopft

Auch wegen der Energiekrise betrifft dieser Krieg uns alle. Ob Privathaushalte, Handel oder Industrie. Wir sitzen alle in einem Boot. Ein Boot, das sich nur mit bezahlbarer Energie über Wasser halten kann: Und die chemische Industrie braucht viel Energie für ihre Produktion, weshalb ihr hohe Gas- und Strompreisen besonders zusetzen. Dazu kommen Materialengpässe, Logistikprobleme und stark steigende Preise für Rohstoffe und Transport. Für viele Chemieunternehmen ist die Situation mittlerweile existenzbedrohend. Deutschland und Europa sind auf dem Weg in eine Rezession noch offenen Ausmaßes. Produktionsdrosselungen und existenzbedrohte Unternehmen beweisen: Die Aussichten für die Zukunft sind schlecht, wenn die Politik die angekündigten Entlastungen nicht im Eiltempo umsetzt.

Die Chemie ist das Herz der deutschen Industrie

Die chemische Industrie steht am Anfang vieler Produktionsprozesse. Produkte der besonders energieintensiven
Basischemie verarbeitet die Branche selbst weiter: zum Beispiel zu Kunst- und Klebstoffen, Lacken, Düngemitteln, Waschmitteln, Kosmetika, Hygieneprodukte und Pharmazeutika. Kann die Basischemie nicht mehr liefern, fehlen die Grundstoffe in den nachgelagerten Wertschöpfungsstufen der Chemie.

Auch andere Industriezweige verarbeiten vor allem chemische Vorprodukte. Deshalb würde ein Produktionsstopp in der Chemie fast alle Branchen zwingen, die Produktion zu drosseln: Automobil- und Elektronikindustrie, Landwirtschaft, Ernährung, Metallindustrie, Bauwesen oder Papier, Glas und Keramik. Chemie steckt in fast allen Gegenständen des täglichen Bedarfs. Eine wirtschaftliche Schieflage der Branche würde darum zu Versorgungsengpässen bei allen Bürgern und Bürgerinnen in allen Lebensbereichen führen.

Erste Produktionsdrosselungen in Deutschland

Schon jetzt sind viele Unternehmen gezwungen, ihre Produktion bei besonders energieintensiven Prozessen zu drosseln. Erste Anlagen stehen bereits still – in der Metallindustrie aber vor allem in der Chemie. Seit Kriegsbeginn hat die Industrie den Gasverbrauch um mehr als 20 Prozent gesenkt. Die Chemie leistet dabei ihren Beitrag: zum Beispiel durch den Umstieg auf Öl oder Kohle als Brennstoff für die Strom- und Wärmeerzeugung oder eben die Drosselung der Produktion. So haben Unternehmen die Herstellung der Grundchemikalie Ammoniak wegen der extrem hohen Gaspreise hierzulande deutlich gesenkt und ins europäische Ausland verlegt.

Klimaneutrale Chemie braucht erneuerbare Energie

Die chemische Industrie arbeitet intensiv daran, ihre Produktionsprozesse klimaneutral zu gestalten. Dafür muss sie ihre Brenn- und Rohstoffbasis auf erneuerbare Quellen umzustellen. So will die Branche zum Beispiel langfristig
grünen Wasserstoff anstelle von Erdgas einsetzen. Schon dafür ist sie auf riesige Mengen an erneuerbarem Strom angewiesen. Deshalb setzt sich die Chemie dafür ein, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien maximal beschleunigt wird.

Die Umstellung auf erneuerbare Rohstoffe und Energie geht nicht von heute auf morgen. Die Branche kann Erdgas als Energieträger kurzfristig nur in geringem Maße ersetzen. Eine Alternative zu Gas als Rohstoff gibt es zurzeit noch nicht. Für den Übergang ist die Chemie auf eine sichere und bezahlbare Gasversorgung angewiesen. Auch erneuerbarer Strom muss zu international wettbewerbsfähigen Kosten zur Verfügung stehen.

Warum Gas für uns so elementar ist

Mit einem Anteil von 15 Prozent ist die Branche in Deutschland der größte industrielle Verbraucher von Erdgas.

Insgesamt verbraucht die Branche rund 140 TWh Gas im Jahr. Davon setzt sie 27% als Rohstoff und 73% für die Erzeugung von Dampf und Strom ein. Erdgas ist mit Abstand der wichtigste Energieträger in der chemischen Industrie.

Die Produktionsstruktur der Chemieindustrie ist sehr komplex. Oft wird in Verbundstandorten produziert. Dort sind viele Prozesse technisch miteinander verknüpft. In diesen Verbundstandorten, die häufig als Chemieparks betrieben werden, wird Erdgas sowohl als Rohstoff als auch in erheblichem Maße zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt.

Ohne wettbewerbsfähige Energiepreise müssen Produktionsanlagen heruntergefahren werden. Das könnte aufgrund der Verbundstruktur in großen Standorten eine Kettenreaktion auslösen. Mit gravierenden Auswirkungen auf die Weiterverarbeiter innerhalb und außerhalb der Branche. Und zwar nicht nur bei großen energieintensiven Unternehmen, sondern auch im Mittelstand.

Weitere Informationen zur chemischen Industrie in der Energiekrise finden Sie hier.