Der Piks, auf den die Welt wartet

Weltweit – und auch in Deutschland – legt die Corona-Forschung ein unglaubliches Tempo vor. Große und mittelständische Pharmaunternehmen, Start-ups und renommierte Forschungsinstitute forschen in über 230 Projekten. Das Ziel: eine Schutzimpfung gegen das neue Coronavirus. Parallel dazu läuft die Suche nach wirksamen Medikamenten gegen Covid-19 mit Hochdruck.

Die gegenwärtige Pandemie führt uns vor Augen, wie entscheidend Impfungen für das Funktionieren des normalen Lebens sein können. Denn unseren Alltag werden wir erst dann wieder wie in Vor-Corona-Zeiten erleben können, wenn Impfstoffe existieren, die unser Immunsystem zur Abwehr gegen das Virus befähigen. Entsprechend hoch ist die gesellschaftliche Erwartungshaltung – aber auch die Forschungsleistung der pharmazeutischen Industrie.

In Deutschland wird an zwölf Impfstoffprojekten gearbeitet. International zählt der Standort damit zu den Ländern mit besonders vielen Corona-Forschungsprojekten. Hinzu kommen weitere 13 deutsche Unternehmen und Forschungsinstitute, die die Entwicklung und Produktion von Schutzimpfstoffen unterstützen.

Ebenso dringend werden Medikamente benötigt, die bereits an Covid-19 erkrankten Menschen helfen. Auch hierzu forschen die Unternehmen längst. Und sie prüfen, welche Arzneimittel, die gegen andere Krankheiten wirken, sinnvoll gegen Covid-19 eingesetzt werden können.

Die Suche nach Impfstoffen gegen Covid-19

Generell gilt: Impfstoffe sollen den menschlichen Körper gegen Erreger immun machen und vor bestimmten Infektionskrankheiten schützen. Gleichzeitig müssen sie für den Menschen sicher sein. An diesen goldenen Regeln ändert auch die Corona-Pandemie trotz des enormen Leidensdrucks vieler Menschen nichts. Das darf sie auch nicht. Denn die Impfstoffforschung ist nicht nur eine wissenschaftlich hochkomplexe Aufgabe, die maximale Sorgfalt erfordert. Sie ist auch an ein Höchstmaß an Verantwortung geknüpft.

Event

Corona-Impfstoff: Ist schnell sicher genug?

In der Corona-Pandemie mussten neue Impfstoffe mit Hochdruck entwickelt werden. Warum deren Sicherheit nicht darunter litt, erläutern Experten aus Pharma-Unternehmen und -Verbänden. Hier finden Sie die aufschlussreiche Diskussion als Video – und alle beantworteten Publikumsfragen als Download.

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An diesen Standorten wird an Covid-19-Impfstoffen und -Therapien sowie an der Erweiterung der Impfstoffproduktion gearbeitet:

Stand: Dez. 2020. Ziffern markieren Orte mit mehreren Projekten.

Komplexes Geduldsspiel

Die Entwicklung eines Impfstoffs ist sehr kostspielig und kann mehr als 20 Jahre dauern. Denn es kann lange dauern, einen zum Erreger passenden Impfstofftyp zu finden. Und die klinischen Studien brauchen Zeit und verlangen von Forscherinnen und Forschern ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen. Bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen die SARS-CoV-2-Infektion fingen die Unternehmen jedoch nicht bei null an, sondern konnten auf Vorarbeiten aus der Vergangenheit zurückgreifen. 

So können und werden wir Corona besiegen: Durch Forschung und Produktion in Rekordzeit sowie Vertrauen in den Impfstoff. Internationale Zusammenarbeit und hohe Qualitätsstandards sind dafür wesentlich.
Wolfgang Große Entrup
Hauptgeschäftsführer Verband der Chemischen Industrie e.V.

Zum ausführlichen Standpunkt geht es hier.

 

Anknüpfungspunkte bieten dabei die SARS- und die MERS-Epidemien aus den Jahren 2002/03 bzw. 2012, die auf zwei ähnliche Coronaviren zurückzuführen sind. Gegen sie wurden zahlreiche Impfstoffe erfunden und ein Stück weit entwickelt, nur hat bisher noch keiner die Zulassungsreife erreicht. Aber dank dieser Vorarbeiten können weltweit schon etwa 50 Impfstoffkandidaten (Stand Dezember 2020) gegen das Coronavirus in klinischen Studien mit Freiwilligen getestet werden. Weitere Impfstoff-Studien sollen in den kommenden Monaten folgen.

Grünes Licht für Zulassung: Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die EU-Kommission im Dezember für den ersten Impfstoff zum Schutz vor Covid-19 die bedingte Marktzulassung erteilt. Damit haben Unternehmen und Zulassungsbehörden die Trendwende gegen die Pandemie eingeläutet. Im Januar wurde ein zweiter Impfstoff in der EU zugelassen, und weitere werden in den nachfolgenden Monaten folgen. Voraussetzung ist, dass die eingereichten Daten aus den klinischen Studien, Tiertests und Qualitätskontrollen robust genug sind, um zu Schlussfolgerungen über die Qualität, Wirksamkeit und Verträglichkeit der jeweiligen Impfstoffe zu kommen. Da noch nicht bekannt ist, welche Impfstoffe am längsten schützen, welche sich auch für Minderjährige eignen und welche bei Geimpften zusätzlich das Ansteckungsrisiko für andere senken, ist es umso wichtiger, auch den nachfolgenden Impfstoffprojekten weiter höchste Priorität einzuräumen.

An diesen Corona-Impfstofftypen wird geforscht:

  • Zahl eins

    Totimpfstoffe: Abgetötete Viren oder Proteine aus diesen rufen eine Immunantwort des Körpers hervor.

  • Zahl zwei

    Lebendimpfstoffe: Abgeschwächte Krankheitserreger können sich zwar noch vermehren, machen den Menschen aber nicht krank.

  • Zahl drei

    Genbasierte Impfstoffe: Vektorviren-Impfstoffe, RNA-Impfstoffe und DNA-Impfstoffe.

Beachten Sie auch die vertiefenden Informationen zu den einzelnen Impfstofftypen.

Warum Impfstoffe sicher sind

Immer wieder befürchten Menschen, dass sie durch Impfungen krank werden könnten oder mit bleibenden Schäden leben müssen. Impfstoffe unterliegen jedoch einer ganz besonders sorgfältigen Kontrolle und strengen Zulassungsverfahren. Und auch nach der Zulassung werden sie kontrolliert und ihre Sicherheit wird laufend in einer Zusammenarbeit der Hersteller mit den Gesundheitsbehörden überwacht. 

Zudem sind die Menschen, die einen Impfstoff nach dessen Zulassung erhalten, keineswegs die ersten. Im Fall der Corona-Impfstoffe haben zum Teil mehr als 20.000 Menschen die Vakzine im Rahmen der Studienerprobung erhalten. Und nur wenn bei diesen Probanden keine schweren Nebenwirkungen aufgetreten sind, wird der Impfstoff überhaupt zugelassen.

Europa

Im Anschluss an die Tierversuche folgen die klinischen Studien mit freiwilligen Probanden, die sich über drei Phasen erstrecken. Sobald die Ergebnisse der klinischen Studien und Produktionsmuster des Impfstoffs vorliegen, können Unternehmen einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) stellen. Erfüllt der Impfstoff sämtliche Anforderungen, erfolgt eine Zulassungsempfehlung an die Europäische Kommission. Erteilt diese die Zulassung, können Menschen, die das wünschen, geimpft und vor einer Erkrankung an Covid-19 geschützt werden.

Deutschland

In Deutschland gibt es zusätzlich die Ständige Impfkommission (STIKO). Das ehrenamtlich arbeitende Gremium besteht aus Fachleuten aus Wissenschaft und Forschung, die vom Bundesgesundheitsministerium berufen werden. Die zwölf bis 18 Ärzte, Wissenschaftler und Vertreter der Gesundheitsbehörden und Krankenkassen geben Empfehlungen ab, welche Impfungen welche Personengruppen wahrnehmen sollen. Gemeinsam entwickeln die Mitglieder die Impfempfehlungen für Deutschland. Die STIKO ist also ein wichtiges Bindeglied zwischen medizinischer Fachwelt und der Gesellschaft, das durch seine Empfehlungen den Roll-out eines Impfschutzes in der Bevölkerung mitgestaltet.

Weltweit

Mit Blick auf die Corona-Pandemie haben Zulassungsbehörden in der EU und den USA klargestellt, dass auch bei den beschleunigten Zulassungsverfahren für einen Corona-Impfstoff die Sicherheit an erster Stelle steht. Dafür haben sie einen detaillierten Anforderungskatalog erstellt.

Aber nicht nur für die Zulassung von Impfstoffen, auch für ihre Herstellung in der pharmazeutischen Industrie gilt: Bei der Sicherheit gibt es unter keinen Umständen Abstriche. Wie hoch das Sicherheitsbewusstsein hier ist, zeigen auch die vereinzelten Unterbrechungen klinischer Studien, die rein vorsorglich und zum Schutz der Probanden schon bei geringsten Bedenken und bis zur restlosen Klärung der Unbedenklichkeit vollzogen wurden.

Schon gewusst?

beträgt die erforderliche Impfquote, um die Masern vollständig zu eliminieren.

Weitere allgemeine Informationen zum Thema Impfen:

  • Eine Impfung ist eine Art Training oder Lernkurs für das Immunsystem, um sich in Zukunft gegen bestimmte Krankheitserreger und deren Schadstoffe verteidigen zu können. Bei dieser „aktiven Immunisierung“ werden harmlose Moleküle des Erregers in den Körper eingebracht. In den folgenden Wochen produziert das Immunsystem Antikörper, die in der Lage sind, die jeweiligen Krankheitserreger abzuwehren. Dank sogenannter Gedächtniszellen kann sich das Immunsystem auch noch Jahre später an diese Erreger erinnern. Zudem können so auch die Immunzellen gestärkt werden, die aktiv gegen diese Erreger arbeiten.

  • Dank Impfungen ist die Lebenserwartung der Menschen kontinuierlich gestiegen. Eine Infektionskrankheit konnte sogar ausgerottet werden: 1980 verkündete die Weltgesundheitsbehörde (WHO) das Ende der Pocken. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein zählten Krankheiten wie beispielsweise Diphtherie weltweit zu den häufigsten Todesursachen. 

    Impfungen bereiten unser Immunsystem auf bestimmte Erreger vor, sodass Krankheiten gar nicht mehr ausbrechen, weil sie in der Bevölkerung nicht mehr Fuß fassen können. Der Impfstoff schützt nicht allein den Geimpften vor Ansteckung, sondern hemmt die Verbreitung. Diese gesamtgesellschaftliche Wirkung erstreckt sich im besten Fall global, wie dies damals zum Beispiel bei den Pocken geschah. Jeder, der geimpft ist, schützt gleichzeitig die Gemeinschaft. Wenn sich sehr viele Menschen gegen einen Krankheitserreger impfen lassen, tritt ein flächendeckender Schutz innerhalb der Gesellschaft ein, den man als Herdenimmunität bezeichnet.

SARS-CoV-2: Wie gelingt die gerechte Impfstoffverteilung?

 Auch wenn erste Erfolge der Impfstoffforschung berechtigten Anlass zur Hoffnung geben, können sie eine Tatsache nicht überstrahlen: Sobald Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zur Verfügung stehen werden, wird ihre Menge zu Beginn nicht ausreichen, um alle Menschen, die geimpft werden möchten, auch impfen zu können. Diese Knappheit erfordert eine effiziente und ethisch vertretbare Impfstrategie.
 

Eine solche Nationale Impfstrategie hat die Ständige Impfstoffkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut gemeinsam mit dem Deutschen Ethikrat und der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina im Auftrag der Bundesregierung entwickelt. Sie soll eine faire Verteilung von Corona-Impfstoffen gewährleisten, die auf medizinischen, ethischen und rechtlichen Prinzipien basiert. Die STIKO empfiehlt unter anderem, zunächst Senioren- und Pflegeheimbewohner und Personen über 80 Jahre zu impfen sowie Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen. Dazu zählen beispielsweise Notaufnahmen. Die Corona-Impfverordnung ist seit Mitte Dezember in Kraft und mit der Impfung gegen das Coronavirus wurde am 27. Dezember begonnen. 

Die pharmazeutische Industrie packt an

Die pharmazeutische Industrie war so früh wie möglich tätig: Um für so viele Impfstoff-Dosen wie möglich zu sorgen, haben die Unternehmen mit den am weitesten entwickelten Covid-19-Impfstoffen schon seit Monaten unter Hochdruck eigene Produktionskapazitäten ausgeweitet und zusätzlich immer mehr Kooperationen mit anderen Firmen etabliert. Sie unterstützen so die Impfstoffhersteller bei der Produktion von Vakzinen gegen SARS-CoV-2, indem sie beispielsweise Komponenten  zuliefern, parallel zu den Originalherstellern bestimmte Herstellungsschritte übernehmen oder den Impfstoff in Lizenz komplett eigenständig produzieren. Hierfür wurden bestehende Anlagen umgeplant und umgerüstet, das Personal entsprechend geschult.

Impfstoffe und deren Produktion zügig genehmigen

Um einen Covid-19-Impfstoff produzieren zu können, müssen nicht nur der Impfstoff selbst, sondern auch dessen Produktionsweise von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Und das bringt den Faktor Zeit ins Spiel.

Ein Positivbeispiel ist das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem als Institution von Weltrang, gemeinsam mit den Ethik-Kommissionen, die Genehmigung neuer Impfstoffstudien in Deutschland obliegt. Gegenwärtig setzt es alles daran, Anträge auf Corona-Impfstoffstudien möglichst rasch zu prüfen und zu genehmigen – und das bei gleichbleibend sehr hohen Sicherheitsstandards. Diese zügige Bearbeitung der Anträge ist eine wertvolle Unterstützung für die pharmazeutische Industrie, um schnell sichere und wirksame Corona-Impfstoffe herzustellen.

Doch nicht nur die Forschung an einem Impfstoff ist komplex, auch die industriellen Herstellungsprozesse sind nicht einfach, die Anforderungen an die Produktion jedoch sehr hoch und die Kontrollen streng. Und das ist auch gut so. Damit in Zukunft ausreichend Impfstoff in möglichst kurzer Zeit zur Verfügung steht, sind jedoch auch hier zügige Genehmigungsverfahren unverzichtbar.

Der Faktor Zeit

  • Ausrufezeichen

    Die Sicherheit bleibt das oberste Gebot.
    Dennoch sollten Impfstoffe und deren Produktion so zügig wie möglich genehmigt werden.

Medikamente gegen Covid-19

Impfstoffe verhindern die schwere Erkrankung eines Menschen. Doch was, wenn eine Person bereits erkrankt ist? Dann benötigt er oder sie je nach Krankheitsstadium eine andere medikamentöse Behandlung. Auch diese Therapien sind Teil einer Gesamtstrategie gegen die Pandemie – und die pharmazeutische Industrie forscht bereits mit größtem Engagement nach neuen Arzneimitteln.

Erfolg versprechende Studien erforschen gegenwärtig zum Beispiel Präparate, die das Coronavirus neutralisieren und seine Vermehrung hemmen oder schwere Atemwegssymptome verringern, die oft eine künstliche Beatmung erfordern.

Hilfreich können aber auch Medikamente sein, die gegen andere Krankheiten entwickelt wurden. So wird beispielsweise geprüft, ob Medikamente „umfunktioniert“ und auch abseits ihres ursprünglichen medizinischen Zwecks erfolgreich gegen Covid-19 eingesetzt werden können. Hierzu zählen beispielsweise:

  • antivirale Arzneimittel, die gegen Grippe oder Hepatitis C entwickelt wurden,
  • dämpfende Immunmodulatoren, die man z. B. gegen entzündliche Darmerkrankungen einsetzt,
  • Medikamente für Lungenkranke könnten umgewidmet werden, um Corona-Patienten mit schweren Lungenproblemen zu helfen,
  • Herz-Kreislauf-Medikamente, um Komplikationen durch Covid-19-Erkrankungen zu verhindern.

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