Nachhaltigkeit funktioniert nur mit der Wirtschaft

„Nachhaltig wirtschaften als Chance für alle“ – so lautet eines der Sustainable Development Goals   der Vereinten Nationen. Es ist ehrgeiziger, als es klingen mag. Denn Fakt ist: Die derzeitigen weltweiten Industriestrukturen entlang der internationalen Wertschöpfungsketten sind langfristig angelegte Investitionen von sehr unterschiedlichen Unternehmen, Branchen, Volkswirtschaften und Rechtssystemen. Klar ist aber auch: Es geht schon lange nicht mehr um die Frage, ob man Klimaschutz erreichen muss – sondern um die Frage, wie das gelingen kann: Wie ist effektiver Klimaschutz zielsicher und am effizientesten zu erreichen, ohne dabei die Wirtschaft in die Knie zu zwingen und Wohlstand für alle Bürger zu gefährden? 

Eine Antwort dafür kennen wir: Mit dem Emissionshandel über alle Sektoren und über die nationalen Grenzen hinaus. Der Preisdruck durch die marktgerechte Einberechnung der CO2-Kosten wird die Wirtschaft zur Entwicklung von neuen Technologien für eine CO2-arme Zukunft beflügeln. Bedingung dafür aber ist Planungssicherheit und der Abbau von Regulierung, um Ballast abzuwerfen und mehr Kraft und Freiraum für nachhaltiges Wirtschaften zu erhalten. Denn um die Kosten für das Erreichen der CO2- Ziele in den Griff zu bekommen, müssen sie langfristig kalkulierbar sein und Investitionen in neue Technologien planbar und praktikabel werden. 

Damit der Emissionshandel richtig wirkt, müssen die diversen nationalen Subventionsinstrumente abgebaut, rein symbolische politische Eingriffe (Kohleausstieg wäre über den Emissionshandel früher und billiger erfolgt) unterlassen und vor allem die diversen Energiesteuern und -abgaben massiv zurückgefahren werden. Die belasten die Bürger und bedeuten einen gravierenden Wettbewerbsnachteil für Unternehmen. Die verschiedenen milliardenteuren Förderprogramme, die CO2 nur zu extrem hohen Vermeidungskosten einsparen, führen uns nicht zum Ziel. Im Gegenteil: Unternehmen und Verbraucher in Deutschland sind im internationalen Vergleich mit exorbitant hohen Energiekosten belastet. Eine deutliche Entlastung nationaler Abgaben und Steuern würde den Unternehmen Liquidität und den Verbrauchern Kaufkraft verschaffen. Über die Menge der CO2-Zertifikate ist garantiert, dass diese Entlastungen nicht zu einem Anstieg der CO2-Emissionen führen.

Dafür aber müssen die Regierungen ihre Hausaufgaben machen: Wir brauchen einen langfristigen Plan, wie wir die Klimaziele erreichen wollen, eine Überprüfung und Abstimmung der Gesetze daraufhin und den Grundsatz der Ausgewogenheit. Es bringt nichts, die Neuverschuldung auf Kosten der jungen Generation in die Höhe zu treiben oder die Unternehmen und die Gesellschaft in die Knie zu zwingen. Auch das ist eine Frage der Generationengerechtigkeit – finanzielle Spielräume für die Unternehmen sowie staatlicherseits für Investitionen in Bildung, analoge und digitale Infrastruktur oder unsere Sicherheit müssen möglich bleiben. Der oft bemühte reflexartige Aktionismus der Politik hingegen verunsichert Unternehmer und lässt sie vor klimagerechten Investitionen geradezu zurückschrecken. Eine sichere Erreichung der CO2-Ziele funktioniert nur mit der Wirtschaft, weder gegen noch ohne sie.

Die Autorin

Sarna Röser ist Vorsitzende des Wirtschaftsverbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER, designierte Nachfolgerin im Familienunternehmen Zementrohr- und Betonwerke Karl Röser & Sohn GmbH, Aufsichtsrätin, Beirätin und Business Angel.

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Über diesen Blog

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