Der Treibstoff der Moderne, im Wandel der Zeit

Glück auf – das ist seit jeher der Gruß unter Bergleuten, er steht für ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, für faire Behandlung und Bezahlung, für ein solidarisches Miteinander. So wie sie seit jeher im Bergbau gelebt wurden, stehen diese Tugenden auch Pate für viele der UN-Nachhaltigkeitsziele, die in diesem Blogprojekt diskutiert wurden. Für meine, die junge Generation ist dabei besonders wichtig, dass wir menschenwürdige Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang bringen mit den Nachhaltigkeits- und Klimaschutzzielen. Was die junge Generation dafür konkret benötigt? Eine unabdingbare, selbst mitzugestaltende und weitreichende Perspektive!

Diese muss getragen sein durch faire Bildungschancen für alle – egal, welche Herkunft sie besitzen. Es braucht eine Perspektive auf konkrete greifbare Jobs, gewerkschaftlich abgesichert. Mit dem klaren Ziel, industrielle Transformation und Digitalisierung nicht nur zu erfassen, sondern in diesem sich schnell entwickelnden Markt eine Vorreiterrolle einnehmen zu können. Sie muss lebenswert und nachhaltig sein und sollte die Chance haben, von nationalen und internationalen Kooperationen zu profitieren.

Für meine Heimat, die Lausitz, und die junge Generation vor Ort lässt sich das sehr konkret machen: Wir wollen keinen weiteren Strukturbruch wie nach der Wende, wir wollen nicht nur Energieregion, Verkehrsknotenpunkt und Wissenschaftsstandort bleiben, wir wollen darüber hinauswachsen und den Takt des Strukturwandels und der Energiewende mitbestimmen und vorleben! Wir wissen, dass die enge Verzahnung von Klimaschutz-, sozialen und wirtschaftlichen Belangen zum Gradmesser des Erfolgs wird. Aber wir wissen auch, dass das allein noch nicht die finale Energiefrage klärt: Produktion, Versorgung und Sicherheit – wie genau wollen wir den Wandel hinbekommen? Und wie schnell?

Die Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung hat einst die richtigen Leitplanken für den Umbau von konventioneller zu klimaneutraler Energieerzeugung gesetzt: eine im dreijährigen Rhythmus stattfindende Überprüfung der Energiewende, mit allen Akteuren, ist der richtige Weg. Dabei werden Fragen nach dem Netzausbau, den Speichertechnologien und der Installation erneuerbarer Energieträger gestellt. Je nachdem wie die Antworten ausfallen, beschleunigt oder entschleunigt sich der Wandel. Das ist nicht nur das richtige Augenmaß mit Blick auf die reale Situation in den betroffenen Regionen, sondern auch mit Blick auf unser aller Energieversorgung – wie wir in diesen Tagen wieder eindrücklich erleben.

Das bedeutet, dass wir uns sehr schnell um die gesetzten Ziele kümmern müssen. Der bisherige Ausbau von erneuerbaren Energieerzeugungsanlagen wie Wind- und Solarkraft wird nicht ausreichen um den Energiehunger der Zukunft zu stillen. Wir werden in H2-fähige Gaskraftwerke/H2-Kraftwerke und deren Pipelines investieren müssen. In Forschungsprojekte zum Thema Wasserstoff, mit Schwerpunkt auf Verarbeitung, Nutzbarmachung und Energieerzeugung, Wissen und Zeit investieren. Wir müssen uns die Frage nach dem Einsatz von E-Fuels überlegen und ebenfalls den Netzausbau innerhalb und außerhalb Deutschlands maßgeblich voranbringen. Egal ob es die fehlenden 50 Kilometer Bahngleise in der Lausitz oder 10.000 Kilometer fehlende Stromnetze auf Bundesebene sind – die Politik muss die schneckenartige Veränderungshaltung aufgeben und jegliche Form von Strukturprojekten nach vorne treiben. Dass da noch Luft nach oben ist, beweisen wichtige Baumaßnahmen wie der BER ganz treffend, so will ich NIE MEHR ein Strukturprojekt erleben müssen.

Von einem hat der Strukturwandel aber genug: Luftschlösser und Worthülsen! Es muss Schluss sein mit leeren Versprechen, sowohl auf der Seite der Projekte welche man in die Tat umsetzen will, als auch auf der Seite der fehlenden Physik, hinsichtlich der Ausbauziele für die Energiewende. In Gesprächen mit diversen Umweltgruppen haben wir ebenfalls eine Übereinkunft, dass wir dasselbe Ziel teilen. Eine nachhaltige regionale- und überregionale Entwicklung der Wirtschaft unter der Berücksichtigung des Treibstoffs der Moderne. Energie im Einklang mit Klimaschutz: erzeugen, produzieren und sichern!

Der Wandel in meiner Region kann eine Blaupause für den Export von Technologie und Sachverstand sein. Ganz im Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele ein Umbau der Industrie auf Langlebigkeit, ein Export günstiger grüner Technologien, das Bereitstellen von Fachexpertise in besonders strukturschwache Länder und die Schaffung einer weltweiten sozialen Marktwirtschaft. Das bedingt allerdings auch, dass in der Lausitz und in anderen von der Transformation betroffenen Regionen genügend gut bezahlte Industriearbeitsplätze entstehen und das soziale Gefüge durch fehlende Arbeitsplätze nicht weiter destabilisiert wird. Das ist einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren im Gelingen der Energiewende und des Strukturwandels. Die Herausforderungen werden wir regional wie international nur als Teamsportaufgabe meistern. Mit einem fairen Umgang und einem solidarischen Miteinander. Wie Bergleute eben. Glück auf!

 

Der Autor

Im Engagement für die Lausitz, die Energiewende und einen gerechten Strukturwandel unterwegs als Techniker, Referent und Musiker. Stets mit Herz bei der Sache, einem ehrlichen Wort auf der Zunge und offen für jedes Gespräch und im festen Glauben daran, dass wir es nur gemeinsam schaffen werden, diese Herausforderung zu meistern!

Mehr erfahren

Kommentare

Keine Kommentare

Lesen Sie bitte auch unsere Regeln für Kommentare.

Über diesen Blog

Dieser Blog gibt nicht die Sichtweise der Chemie-Industrie wieder: Darum geht es hier gar nicht. Wir wollen auf diesen Seiten voneinander lernen und einander zuhören, offen und mit großem Respekt vor Perspektiven der Anderen. Nur so können wir Wege finden, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Mehr erfahren